Äthiopier feiern ihr Weihnachten ganz in weiß

Von SARAH BUCH

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09, Januar, 2018Posted by :admin(0)Comments

Äthiopier feiern ihr Weihnachten ganz in weiß

Frankfurt am Main 06.01.2018, Stadtteil Sachsenhausen, in der Bonifatiuskirche, Bräuche : Weihnachtsfest der Äthiopischen Kirche. (c) Foto: Rainer Rüffer

Von Weitem erklingt die Musik, ein dumpfes Dröhnen. Es ist fast Mitternacht in Sachsenhausen, zahlreiche in Weiß gehüllte Menschen strömen die Hohlbeinstraße entlang, in Richtung der Sankt Bonifatiuskirche. Während andere gen Alt-Sachsenhausen ziehen, feiert Sinight Akidane und etwa 500 weitere Mitglieder der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo M.H. Medhanealem Kirche (Erlöserkirche) an diesem Samstag Weihnachten. Die Kirche zählt zu den ältesten christlichen Glaubens und richtet sich nach dem Julianischen Kalender, wie die meisten christlich-orthodoxen Kirchen feiert sie am 6. Januar Weihnachten. Sinight Akidane erklärt: „In Äthiopien sind Geschenke üblich, aber hier tauschen wir unter Freunden nur Kleinigkeiten aus – am 24. Dezember.“ Die 42-jährige Mutter leitet die Sonntagsschule sowie den Kinder- und Jugendchor.

Auf dem kleinen Platz parken die Autos dicht an dicht, aus Hanau, Offenbach und sogar Fulda. Durch einen kleinen Eingang neben dem Tor der Kirche ziehen sich die Besucher ihre Schuhe aus. Männer, Frauen und Kinder hängen sich weiße Tücher über ihre Mäntel, Frauen haben ihr Haar verhüllt. Betritt man das Kirchenschiff, blickt der Besucher erstmal auf eine rot-gelb-grün gestreifte Wand – und hört lauten, klagenden Gesang.

Geschlechter getrennt

Trommeln und Rasselinstrumente begleiten die lauten Stimmen. Die Gemeinde sitzt nach Geschlechtern getrennt, Männer links, Frauen rechts, Kinder laufen herum und tanzen. Vor dem Altar wiegen sich etwa zwölf Männer im Takt, heben Gebetsstöcke in die Luft und singen laut auf Altäthiopisch. Wie zu einem geheimen Zeichen stehen alle auf und klatschen. In Nischen liegen Kleinkinder und ältere Frauen auf Decken, manche haben sich Schlafsäcke mitgebracht.

Um Mitternacht beginnt die Weihnachtszeremonie, nach drei Stunden Lobgesang folgt der eigentliche, zweieinhalb Stunden lange Gottesdienst. Wenn um etwa 5.30 Uhr der offizielle Teil beendet ist, brechen die Gläubigen ihr 40-tägiges Fasten bei mitgebrachtem Hühnchen, Brot und Kaffee. Was wie ein Gebetsmarathon klingt, gestaltet sich als ein großes Fest.

In der ersten Reihe singt Singiht Akidane mit zwei weiteren Frauen den Lobgesang mit. Geleitet wird der Gottesdienst von Erzpriester Lesanework Wube in der offiziellen Sprache Äthiopiens, auf Amharisch. Der 49-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren im Amt, sein Sohn ist einer von sechs Diakonen der Gemeinde. Er ist Informatiker, spricht fließend Deutsch und übersetzt den Gottesdienst für diejenigen, die Amharisch nicht verstehen. In der Predigt spricht Wube nicht nur über Frieden, er appelliert auch an die Jugendlichen, Drogen und Kriminalität zu meiden. „Doch vor allem wollen wir den Gemeindemitglieder Geborgenheit geben, wenn viele unter Heimweh leiden.“ Wube selbst musste aus Äthiopien wegen seiner Religion fliehen.

Eigenes Gebäude gekauft

Seitdem hat die Gemeinde in vielen Kirchen gastiert. „Bald werden wir in unseren eigenen Räumen feiern können“, freut sich der Erzpriester. Die Gemeinde hat ein Gebäude in Enkheim gekauft, dort soll bis zum Sommer auch ein Jugendtreff eingerichtet werden.

Quelle: http://m.fnp.de/lokales/frankfurt/So-feiern-die-AEthiopier-in-Frankfurt-Weihnachten;art675,2872417?GEPC=s2

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